USA top, Europa flop?

Der bekannte Schweizer Wintersportort Davos verwandelte sich Ende Jänner 2020 wieder für einige Tage als Gastgeber des „World Economic Forums“ in den wirtschaftlichen Hotspot der Welt. Einflussreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gaben sich im Veranstaltungsgelände und den zahlreichen als Geschäftszonen umfunktionierten Hotels, Cafés und anderen Gebäuden die Klinke in die Hand (sogar die Kirche wurde als Tagungsort genutzt). Der wohl bekannteste Sprecher beim Weltwirtschaftsforum: US-Präsident Donald Trump. Und seine Worte standen in einem angenehmen Kontrast zu jenen Meldungen, die europäische Politiker derzeit über die Konjunktur vermelden können. Während Europas Wirtschaft am Rande der Rezession dahin vegetiert, konnte der massenmedial stark umstrittene US-Präsident über sein Land nur Positives vermelden: Die US-Wirtschaft ist auf einem 44-Jahres-Hoch (und befindet sich damit in besserem Zustand als unter den Präsidenten Reagan, Clinton oder Obama). Die Arbeitslosenrate weist mit 3,5 Prozent den niedrigsten Wert seit 50 Jahren auf, die Aktienmärkte boomen. Das jüngst mit China geschlossene Handelsabkommen lässt weitere positive Entwicklungen für die US-Wirtschaft erwarten. Die Wirtschaft erblüht (im dritten Quartal auf das Jahr gerechnet um 2,1 Prozent), die Kriminalitätsraten sinken. Werte, die sich auch im täglichen Leben der Amerikaner auswirken dürften: So haben rund 90 % der Befragten bei einer Umfrage angegeben, dass sie mit ihrem persönlichen Leben zufrieden sind, wie das Weiße Haus stolz auf eine Umfrage des Meinungsinstituts Gallup verweist.

Im krassen Gegensatz dazu die wirtschaftliche Lage in Europa: Zwar sieht die EZB-Präsidentin Christine Lagarde Anfang Februar Anzeichen für eine stabilere Wirtschaft im Euro-Raum. Ein Optimismus, den andere Marktbeobachter nicht teilen. Vor allem für die deutsche Wirtschaft häufen sich die Alarmzeichen. Während zwar der Dienstleistungssektor und das verarbeitende Gewerbe sich ganz vorsichtig in Rezessionsgrenze positiv entwickeln, sieht sich beispielsweise die deutsche Industrie einem Auftragseinbruch gegenüber.

Industrie, Bau und Energieversorger stellten im Dezember 2019 zusammen 3,5 Prozent weniger her als im Vormonat (nach Angaben des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums). Das ist der schlechteste Wert seit Anfang 2009, als Deutschland die globale Wirtschaftskrise mit ganzer Kraft zu spüren bekam. Während das bisherige Zugpferd Automobilindustrie durch die umstrittene Klimamission bereits sehr angeschlagen ist, kommt mit dem Corona-Virus bereits eine weitere Herausforderung auf sie zu (nicht zuletzt, weil viele der Zulieferfirmen im stark betroffenen China produzieren).

Anders die Zeichen, die in Großbritannien zu beobachten sind. Nach der monatelangen Unsicherheit vor dem Brexit Großbritanniens aus der EU entwickelt sich seine Wirtschaft nach dem Vollzug vorsichtig positiv: So kann Boris Johnson für Jänner beispielsweise bereits ein leichtes Wachstum des Einkaufsmanagerindex vermelden. Wenn sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, könnten es sich andere EU-Länder möglicherweise auch überlegen, ob ein Ausstieg aus der Europäischen Union möglicherweise der zukunftweisendere Weg sein könnte. Eine Angst, der man in Brüssel mit der Forderung nach noch größerer Zentralisierung entgegentreten will. Beifall für ein richtiges Rezept gegen die Krise der EU und der Wirtschaft des Euroraums oder kein Beifall für Scheiße?