Erstkommunionsunterricht zu Lasten der Kinder?

In vielen Grundschulen war und ist es nach wie vor üblich, dass sie im Rahmen des Religionsunterrichts die kirchliche Einweihung der Erstkommunion vorbereiten. Die Abwicklung dieser Vorbereitungen in einer österreichischen Volksschule liefert Grund, genauer hinzuschauen. Der Ablauf war und ist seit zumindest mehreren Jahren immer gleich.

In dieser Volksschule kommt der zuständige katholische Pfarrer in den Wochen vor der Erstkommunion zu Besuch. Es geht unter anderem um das Thema Beichte (nunmehr “Versöhnungsfeier” genannt). Diese soll wenige Tage später während der Unterrichtszeit im Pfarrhof stattfinden. Doch warum “Versöhnung”, welches Bild wird den Kindern hier alleine mit dem Namen signalisiert?

  • Warum besteht Grund zu einer „Versöhnung?
  • Wer ist vor dieser „Feier“ nicht versöhnt?
  • Ist gar Gott „sauer“ oder beleidigt oder in Zwietracht mit den Kindern – weil sie nicht “funktionieren” oder sich vermeintlich Schuld aufgeladen haben?

Der Priester trägt bei diesem Kennenlernen in der Schule seine lila Stola, den „Beichtschal“. Er zeigt ihn den Kindern und erklärt ihnen, dass er diesen während des Beichtgesprächs tragen würde. Darüber wäre er mit Gott verbunden und Gott könne den Kindern darüber zuhören, wenn sie mit ihm reden! Diese Botschaft wurde von mehreren Kindern (aus verschiedenen Jahrgängen) so aufgenommen und bestätigt.

Was vermittelt diese gefährliche Erklärung in Zeiten, wo immer wieder Fälle von Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche ans Licht kommen?

  • Gott hört nur über die Stola des Priesters dem Kind zu.
  • Je näher das Kind am Priester ist, desto klarer die Verbindung zu Gott?!
  • Ein Kind kann nicht direkt mit Gott sprechen (mangels Priester und Stola), fühlt sich erst wieder alleine.
  • Wenn die Stola verschmutzt ist, ist die Verbindung zu Gott gestört?

Ein verbaler Tür- und Toröffner für Kindesmissbrauch in der Kirche … Ist das tatsächlich die Erfahrung der Eltern, die sie ihren Kindern mitgeben möchten? Doch damit nicht genug der Ungereimtheiten rund um das “Versöhnungsfest”: Die Eltern müssen dafür im Vorfeld einen Brief an ihr Kind schreiben. Darin sollen positive Botschaften und eine Liebesbekundung der Eltern für ihr Kind stehen. Eine an sich nette Idee, wenn da nicht folgender Haken wäre: Der Brief muss im Vorfeld bei der Religionslehrerin abgegeben werden. Das Kind erhält den Brief erst beim Versöhnungsfest und zwar während seines Beicht-Gesprächs. Heißt es zuvor “Kein Kind muss mit dem Pfarrer reden”, wird damit das angeblich freiwillige Beichtgespräch indirekt dennoch wieder erzwungen: Denn das Kind erhält den Brief seiner eigenen Eltern nur, wenn es zum Pfarrer geht! Mit dieser Aktion stellt sich der Priester (stellvertretend für “Mutter Kirche”?) zwischen die Eltern und ihr eigenes Kind!

Wenn ein Gott mit den Kindern nur über die Stola des Priesters sprechen würde, wäre das dann ein liebe- und friedvoller Gott? Einer, dem man vertrauen kann, der einen stärkt und der einem das Beste will? Oder nicht? Wenn nicht, will man sein Kind dann tatsächlich in diese Lehre einweihen lassen?

Viele der Eltern lassen ihre Kinder aus Tradition, „weil es dazugehört“, weil es die anderen auch machen und aus vermeintlich gutem Wissen und Gewissen bestmeinend diese kirchliche Einweihung absolvieren. Könnte es sein, dass diese kirchlichen Lehren und Einweihung tatsächlich eher wenig mit Göttlichkeit und “Lebenshilfe” zu tun haben und die Kinder mit einem festen Vertrauen in (ihre eigene und eine übergeordnete) Göttlichkeit glücklicher und friedvoller leben könnten?

Zumindest soll es sogar schon den einen oder anderen ehemaligen Priester geben, der die kirchliche Lehre mittlerweile kritisch sieht … wie du zum Beispiel hier anschauen kannst).

Kein Beifall für die Manipulation der Kinder durch die Kirche, kein Beifall für Scheiße!